
Die Familie sass am Tisch und redete über dies und das. Eva sass still daneben und kam eigentlich nicht zu Wort. Sie wollte es wohl auch nicht. Denn es wurde über New York gesprochen. Über die Katastrophe beim World Trade Center. Wild gestikulierte die Mutter. Was die Moslems und überhaupt alle Ausländer für ein Saupack seinen. Der Vater stiess ins gleiche Horn. Auch er fand die Moslems faul, kriegshetzerisch und geldgierig. Wollten immer als Asylanten in die Schweiz kommen und hier die hohle Hand machen.
Eva hatte genug von dem Stuss. Man konnte doch nicht alle Menschen in den gleichen Topf werfen. Und wenn ein Volk halt auch seit Jahrhunderten nichts als den Islam kannte und ihn zu seinen Zwecken ausgelegt hatte, so war das zwar mühsam, aber eventuell würden diese Menschen in den nächsten Jahrhunderten doch mal eine andere Anschauungsweise kennenlernen, oder zivilisierter werden. Wir hatten in Europa ja auch eine Zeit der Glaubenskriege, der Inquisition. Jetzt sind halt die Moslems dran. Und später wird eine andere Religion oder ein anderes Volk so weit sein… Sicher ist es unangenehm, dass so viele Leute sterben mussten – aber wie viele Hexen haben wir damals verbrannt?
Eva träumte vor sich hin. Peter war ein Freund der Familie und kannte Eva bis jetzt noch nicht. Da sie nichts sagte, beachtete er sie nicht weiter.
Das Gespräch kam auf andere Dinge, und plötzlich standen alle auf und gingen in die hintere Stube, um einen Gegenstand näher zu betrachten, von dem eben die Rede gewesen war.
Peter und Eva blieben alleine zurück. Peter wusste nicht, was er zu Eva sagen wollte, und fragte sie deshalb nach ihrem Wohnort. Eva sagte nur, dass sie in Heimhausen wohnte. Da erinnerte sich Peter, dass in Heimhausen ein Dichter wohnte, den er sehr für seinen schwarzen Humor schätzt. Im Internet hatte er dessen Geschichten gelesen und war jetzt wild entschlossen, den Autor mal persönlich kennenzulernen. Davon erzählte er Eva des langem und breiten und fragte sie, ob sie denn den Autor kenne. Eva hatte bei dem ganzen Monolog nur leise gelächelt und geschwiegen… Kaum mal eine Frage eingeworfen.
Da kam die Familie wieder zurück, und die Schwester von Eva hörte den letzten Satz und fuhr Eva an: Red doch nicht immer vom Computer und dem blöden Internet – wir haben die Nase voll davon und jetzt musst du sicher nicht unseren Besuch auch noch damit belästigen!
Eva wollte etwas sagen, aber Peter winkte ab und meinte, dass sie jetzt doch besser über etwas anderes sprächen.
Kurz darauf verabschiedete sich Eva und fuhr nach Hause.
Später erinnerte sich Peter an den Satz der Schwester und sprach sie darauf an: Was denn Eva mit Computern zu tun habe? Die Schwester sagte, dass die Eva auf dem Internet eine Website hätte und ihnen immer den Kopf voll schwatze damit. Letzthin hätte sie sogar begonnen, Geschichten mit schwarzem Humor zu schreiben. Peter starrte die Schwester an und langsam dämmerte es ihm ……
