Die grosse Tsingy de Bemahara

Diese Tsingy liegt im mittleren Westen von Madagaskar. Ja, heute noch früher aufstehen. Denn zum Mittag hin wird es in den Felsen brütend heiss. Für die 17 km bis zu den Tsingy braucht man über eine Stunde. Die Strasse ist nochmals ein paar Nummern übler.

Ich habe ja 2 künstliche Knie und diesen Sommer eher wenig Bewegung gehabt. Aber es ging erstaunlich gut. Viel Klettern, auch mal durch enge Öffnungen kriechen. Denn die Tsingy betritt und verlässt man über 2 Höhlen/Grotten. Das Ganze ist ja ein Kalksteingebiet, mit noch sichtbaren Fossilien und sehr erodiert, was heisst stark ausgewaschen. Und es gibt 2 Routen, die lange und die normale. Wir haben die normale Route genommen.. Und ja, ich habs geschafft!!! Bin ich stolz. Und danach nicht mal Muskelkater.

Am Manambolo und Wanderung durch die kleine Tsingy

Heute morgen noch früher aufstehen. Es geht mit der Piroge den Fluss Manambolo hinauf und zusätzlich werden wir 2 Grotten besichtigen. Die Fahrt ist sehr idyllisch und es gefällt uns sehr gut. Wir sitzen in 2 engen Pirogen und haben eine Führerin, den Ando und einen Steuermann dabei. Die Felsen am Flussufer sind beeindruckend. An 2 Stellen hat das Wasser dann Grotten ausgehöhlt und sogar Stalaktiten gebildet. Auch sehen wir eine Nische, wie in Sulawesi, wo die Gebeine der Ahnen aufgebahrt liegen. Anstelle der Puppen dort, stellt man heutzutage Fotos der Ahnen hin.

Anschliessend machen wir mit Christine einen Bummel durch ihr Dorf. Wir sind erstaunt, wie viele Leute dort leben. Wir dürfen sogar den Hof ihrer Familie besuchen. So bekommen wir einen kleinen Einblick in das hiesige Leben. So schlecht ist das Leben nicht. Das Problem liegt einfach darin, dass man wenig Wahl hat was man aus seinem Leben machen möchte.

Am Nachmittag gehen wir dann in die kleinen Tsingy. Mein Wunsch war ja, das im Sonnenuntergang zu fotografieren. Nun… sogar die kleinen Tsingy haben mir alles abverlangt. Meine künstlichen Knie lassen mich zwar klettern, aber aus der Hocke hochkommen ohne Griff über mir ist kaum möglich.

Aber es hat sich doch gelohnt. Wir erreichten die oberste Terrasse genau zur richtigen Zeit.

Und morgen… geht es dann nochmals früher los, in die grossen Tsingy. Ich sag euch, als Tourist hat man es schwer… tiefseufz

Lemuren am Tag, Buschbrände, Fähren und wilde Fahrt

Heute Morgen gingen wir nochmals mit dem Führer in den gleichen Wald, wo wir gestern Nachmittag waren. Gestern kein Tier, heute war der Wald voller Lemuren. Die haben sicher ein Abo, seufz.

Auch einige hübsche Vögel konnten wir beobachten. Anlschiessend fuhren wir los Richtung Norden. Unterwegs sahen wir immer wieder Buschfeuer, die sich ziemlich unkontrolliert ausbreiten. Bewohner versuchten ihre Häuser zu schützen. Dieser Winter, ja, wir sind ja südlich vom Aequator, war auch hier sehr trocken.

Dann nette Unterbrechung, die Flussfahrt über den Tsiribihina. Die Fähre ist typisch. Man nimmt was man hat und es funktioniert. Im gleichen Fluss wäscht man auch oder fängt Fische. So kurz vor dem Ende eines solchen Flusses ist der nicht mehr so proper.

Dann gings weiter.. die Nationalstrasse 8 wurde zum holperigen Feldweg, man klettert über ehemalige Schlammlöcher. Wir klammern uns mit allen Vieren fest, werden aber trotzdem herumgeschleudert. Schlussendlich kommen wir an die Fähre über den Manambolo. Morgen wird es dann in die berühmten kleinen Tsingy gehen.

Kirindy, Fossa und Lemuren in der Nacht

Wir fahren neu mit unserem Chauffeur Andu. Heute geht es durch einen berühmten Baobabwald zum Trockenwald Kirindy.

Zuerst fuhren wir durch einige Dörfer. Man baut Reis, Erdnüsse und Bohnen an. Man hält Hühner und Zebus. Die Hütten sind aus Lehm und Palmstroh. Es ist heute sehr heiss, aber für die Leute noch angenehm kühl. Die Strasse wird zur Staubpiste und sehr übel. Wir fahren durch 1m tiefe Wellen. Dann kommt das Gebiet der Baobabs. Sehr beeindruckend. Der älteste Baum soll 1000 Jahre alt sein, aber es gibt auch viele junge. Hier war es einige Monate Winter, also sehr trocken, sogar viel trockener als sonst üblich. Aktuell ernten die Bauern, aber die Früchte sind noch nicht reif, deren Erntezeit ist erst in einem halben Jahr.

Dann kommen wir in der Kirindy Lodge an. Hier zuerst etwas Erholung, dann machen wir selber einen Spaziergang im Wald. Viele schöne Baobab Bäume. Zurück in der Lodge wird uns dann die berühmte Fossa gezeigt. Ein Raubtier, das es nur hier gibt. Sie komme anscheinend gerne mal vorbei. Wasser darf sie trinken, aber gefüttert wird nicht, ausser, sie kommt auf die Idee und frisst den Reis, der zum Trocknen ausgelegt ist.. Dann gehts auf zur Abendwanderung mit Führer. Da haben wir 3 berühmte Lemurenarten der Region kennengelernt. Die Tierchen nagen an der Baumrinde, trinken das Harz! Wenn man die Bäume kennt, kann man sie finden.

Faszinierende Ziegelsteine

Am 26.8.2026 ging unsere Reise los. In der Schweiz bewunderten wir noch die Limmat aus dem Flieger, später bekamen die Flüsse exotischere Namen. Der Flug ging über Genf nach Addis Abeba und dann weiter nach Antananarivo in Madagaskar.

Weiter gings am nächsten Tag nach Morondava. Eine Stadt total im Westen, am Kanal nach Afrika. Wobei Kanal nicht so eng gemeint ist.

Der Fahrer holte uns um 3 Uhr früh ab und um 7 waren wir dann dort. Das Hotel ist einfach, nett und zwischen Fluss und Meer gelegen. Die Leute sind etwas weniger und recht freundlich.

Die Flut kommt, das Wasser ist gestiegen, hat den Mangrovenwald überflutet. Und diese Schiffe fahren nun den Fluss hinauf.

Madagaskar – Der Kochkurs

Mit einer Freundin von unserem Campingplatz bin ich nach Madagaskar geflogen, für 1 Monat.

Gleich am 1. Tag ging ich zum Kochkurs und L. ging die Stadt besichtigen. Mehr über unsere Hinreise werdet ihr morgen lesen können.

Mein Programm lautete so: Der Chefkoch kommt mich abholen, wir gehen auf den Markt, er fährt mich zu seinem Restaurant und wir kochen zusammen. Dann bringt er mich wieder zurück. Er führt in der Nähe vom Flugplatz das besuchenswerte Restaurant: La Fourchette. Neu bietet er auch Zimmer an. Er erinnert mich sehr an Frank Rosin.

Die Hauptstadt ist nicht Madagaskar. Die ist einfach nur schwierig. Viele Leute, viel Schmutz, viel Verkehr. Der Markt ist entsprechend übel, wenn auch sich die Leute viel Mühe geben das Beste draus zu machen.

Wir wollten das madegassische Gemüse kaufen mit Namen Jambu. Speziell interessant sind die Blütenköpfe. Man macht sich hier das Vergnügen die den Touristen zu füttern. Das Gesicht des armen Touristen entgleist dann etwas. Die Nervenenden beginnen zu flattern.

Ok, wir haben eingekauft und uns dann in den Verkehr geworfen. Die Fotos dieser Fahrt werde ich euch morgen zeigen. Das Menu für heute waren Gemüsebeignets, Reis und Pouletschenkel/Hähnchenschenkel an Kokosnusssauce. Dazu ein Dessert aus Reismehl, karamellisierten Erdnüssen und Bananen.

Ja, das Essen habe ich sehr genossen. Viel Handarbeit, sehr authentisch, Material was hier täglich gegessen wird. Und ich wurde sogar gelobt, lach. Habe brav und ohne zu murren gearbeitet. Aber ich gebe zu, mein Reismehl war auch nach längerem Stampfen nicht fein genug. Das konnten die Küchenhilfen viel besser.

Passfahrt bei Hitze

Sommer 2026. Es ist heiss. Und immer noch heiss. Und als es weiter heiss blieb, bin ich endlich losgefahren. Wie immer zum Grimsel. Aber dieses Jahr war dann leider die Strasse zum Oberaarsee gesperrt. So habe ich mich mit der KI beraten und fuhr weiter zum Nufenen. Und weil die Blümchenzeit schon grösstenteils vorbei war, fuhr ich weiter zur Tremola, der alten Kopfsteinpassstrasse über den Gotthardpass, die wieder eröffnet ist. Danach ging es weiter zum Sustenpass. Dort habe ich mich um den Steinsee herumgetrieben und all die umliegenden Gletscher bewundert, soweit sie noch zu sehen sind. 2009 reichte der Steingletscher noch bis zum See runter, inzwischen braucht man ein Fernrohr, seufz.

Damit mir nicht langweilig wurde, gings wieder runter durch Meiringen und über den Glaubenbergpass ins Entlebuch. Dort dem Fritz sein altes Ferienhaus bewundert. Ihm Fotos davon geschickt, denn er blieb tapfer am See und hat mich natürlich vermisst, smile.

Weiter gings über Willisau wieder zurück an den Hallwilersee. Aber… kurz nach Willisau machte ich noch eine kleine Wanderung an einen Moorweiher. Dort lernte ich eine nette Frau mit Hund kennen. Wir haben lange gesprochen…. leider ist ihr eine Tochter gestorben. Und so sassen wir dort an dem Weiher… betrachteten die Blesshühner, die auch jedes Jahr ein Kind verlieren.. und philosophierten…

Man findet, wenn man sucht. Ein schönes Blümchen, einen tollen Sonnenuntergang, neue Wege, neue Freunde… aber, man muss den ersten Schritt machen und losgehen.

Béziers und Lac d’Annecy

Im Frühling 2026 fuhren wir durch Südfrankreich. Besondere Ziele waren diesmal Béziers mit seinen Kanalanlagen und der Lac d’Annecy.

Am Canal du midi hatte ich mit meinem damaligen Freund ein Hausboot gemietet. der erste Tag war, sagen wir mal schwierig. Zuerst in eine sehr hohe Schleuse, dann im Kanal über eine Brücke, dann die Schleusentreppe von Fonserannes. Zu zweit eine Herausforderung.

Wir haben diesmal das Fahrrad genommen und sind in beiden Richtungen dem Kanal entlang. Sehr interessant und sehr zu empfehlen.

Bei Annecy gibt es auch einen Via verde, also eine ehemalige Bahnstrecke. Auch die sind wir hin und her gefahren. Das Wetter war traumhaft. Allerdings waren auch 10 000 weitere Personen dieser Meinung. Dann den Ausflug in die Schlucht von Fiers. Äusserst sehenswert, besonders wenns mal wirklich heiss ist. Ideal um ca. 12 Uhr, wegen Sonnenstand.

Inzwischen sind wir wieder am See. Haben unsere Arzttermine erledigt, bewundern junge Enten, Blesshühner und Schwäne. Und ich bereite mich auf mein nächstes Abenteuer vor, nämlich eine Reise nach Madagaskar. Mit L. einer Campingfreundin. Ab Ende August werden hier wieder regelmässige Berichte zu lesen sein, so der Internetgott uns Verbindung gibt 😉

Der Schatz der Seele

Langsam drehte sie den Spiess am Feuer… Das Fleisch brutzelte. Der Himmel um Eva war dunkel, allerdings im Osten erhellt durch den vollen Mond. Er schien diese Nacht mit aller Kraft – kann man das so sagen? – jedenfalls war der Osthimmel total hell, nur bei Eva war es dunkel. Was Wunder – immer bei Vollmond war sie depressiv. Besonders wenn sie müde war.
Und sie war müde…
Besonders war sie es müde, immer wieder von einer gewissen Person genervt zu werden.. Eva wünschte sich, dass es nicht ein Steak war, das sie brutzelte, sondere diese unangenehme Person. Vielleicht wusste diese Person gar nicht, wie unangenehm sie war, dachte wohl, sie wäre der netteste Mensch auf der Erde. Eva wollte sich nicht provozieren lassen. Aber sie wurde es müde, sich immer wieder zu ärgern.

Hinter dem Feuer war der dunkle Wald. Eva hatte keine Angst. Nicht einmal, als dort ein kleines Lichtlein zu funkeln begann.
Sie knabberte vorsichtig am heissen Steak, ob es schon gar wäre. Immer wieder schaute sie aber zu dem kleinen Lichtschein hin. Weit war er nicht entfernt, aber ganz klein. Als sie das Steak gegessen hatte, spülte sie es mit einigen Schlucken selbstgemachtem Eistee herunter und stand dann auf.

Vorsichtig näherte sie sich dem Licht. Unter einem grossen Baum sah sie eine kleine Höhle. Aus dieser Höhle schien das Licht. Von weitem sah es aus, als ob der Eingang zur Höhle nicht grösser sei als Eva s Handfläche. Aber je näher sie ging, desto grösser wurde es und als sie davor stand, konnte sie in die Höhle hineingehen. War sie kleiner geworden oder die Höhle grösser? Wer kann das wissen….

Schon bald ging es viele Stufen hinab. Immer tiefer kam Eva und immer heller wurde der Schein, obwohl Eva keine eigentliche Lichtquelle ausmachen konnte. Die Luft glimmte einfach. Irgendwie war es hell. Eine Wand konnte sie auch nicht ausmachen, denn ausserhalb des Lichtes war einfach Dunkelheit.

Eva hatte keine Angst. Sie wusste auch nicht wieso, ev. weil sie so schlechte Laune hatte, dass ihr alles andere egal war.
Müde und wenig neugierig stieg sie weiter die Treppe hinunter. Endlich hörte die Treppe auf und der Boden wurde eben. Jetzt wusste sie nicht mehr in welche Richtung sie gehen sollte, um sie war es einfach hell. So setzte sie sich nieder, auf den Boden. Der Boden war von einer seltsamen Machart. Hart und glänzend, aber nicht kalt, sondern angenehm warm. So sass sie da, in ihrer Lichtergloriole. Ausserhalb des Lichtscheins spürte sie plötzlich ein anderes Wesen. Dunkel schien es, als ob es das Licht schluckte. Eva sah hoch, denn das Wesen war grösser als sie. Irgendwie riesig. Sie neigte den Kopf nach oben, und fühlte mehr als sie sah, dass es ein riesiger Mann war. Mit langen blonden Locken und vielen, aber einfachen und altertümlichen Kleidern.

Instinktiv wusste sie, dass er Peter hiess. Traurig schaute sie zu ihm hoch. Langsam bückte er sich und nahm sie in die Arme. Licht und Dunkel mischten sich. Sie lehnte sich an ihn. Seine Kleider rochen erdig.

Aller Kummer und alle Kränkungen verblassten. Sie fühlte einfach nur noch Zufriedenheit und Wärme. Peter sprach kein Wort, auch konnte sie nie genauer in sein Gesicht sehen. Trotzdem blieb sie bei ihm während langer Jahre. In seiner unterirdischen Welt gab es viele Flüsse und Bäche. Das Wasser hatte eine eigenartig ölige Konsistenz. Eigentlich gab es nur das Wasser und den harten, warmen Boden. Für ihre Flussfahrten benutzten sie eine Schale, länglich und oval, die einfach so über das Wasser glitt. Peter stiess mit einer Art Paddel ins Wasser, und die Schale bewegte sich vorwärts… War er der Fährmann im Hades? Um Eva blieb der Lichtschein, so dass sie sich nie fürchtete. Sie sass im Bug des Bootes, während Peter zum Rudern stand. Leicht, traumartig fuhren sie durch unterirdische Gänge und Höhlen, obwohl man die Wände nie sah. Trotzdem fühlte man ihre Anwesenheit.

Nach langen Jahren sah Eva wieder einen anderen Lichtschein als den ihren. Vorne glitzerte etwas. Plötzlich sah sie Gestalten am Ufer. Ungesehen, aber nicht unbemerkt glitten Eva und Peter vorbei.

Die Person, die Eva genervt hatte, war darunter und auch andere, die ihr Mühe bereitet hatten. Eva bemerkte, dass die Gestalten sich nicht wohl fühlten, dass sie Angst hatten, wenn sie und Peter vorbeiglitten – ja, dass die Gestalten in Panik ausbrachen. Ein seltsam schauerliches Geheul stiessen sie aus, wenn sie Eva s Anwesenheit erkannten. Eva fühlte sich nicht als Sieger, sondern wusste einfach, dass es sich nicht bezahlt macht, andere zu ärgern oder zu hassen.

Weiter glitten sie dem grossen Glitzern entgegen. Je näher sie kamen, desto genauer konnte Eva erkennen, dass es sich um einen Schatz handelte.

Beim grossen Schatz angekommen, wandte Peter sich Eva zu. Er nahm ihr Kinn in seine Hand und hob ihren Kopf zu sich hoch. Endlich sprach er – nach all diesen langen Jahren: Eva, sagte er, mit dunkler fast nur gehauchter Stimme, du darfst dir aus diesem Schatz etwas aussuchen.

Eva schaute zum Schatz hin und jetzt konnte ihr Blick Details erfassen. Sie sah wunderschöne Geschmeide, Becher und Gebrauchsgegenstände – alles von reinstem Golde und aufs feinste verziert mit Perlen und Edelsteinen. Filigrane und massive Teile.

Eva jedoch griff nach hinten und nahm die Hand von Peter. Peter, sagte sie, komm du mit mir….

Das Geschmeide verblasste und Eva’s Licht auch. Dunkel wurde es um sie herum, am Horizont ging der Mond unter. Die langen Locken von Peter flossen wie Wasser an ihm herunter, seine Kleider verwelkten und das Feuer verzehrte die gefallenen Stücke, wie Blätter.

Peter sass jetzt in leichten Nebel gehüllt neben ihr und war nicht mehr das Dunkel, sondern jetzt eine Nebelfigur, leicht wabernd und wehend.

Eva hatte immer noch keine Angst. Sie nahm wieder seine Hand und drückte sie ganz fest. Da verfestigte sich die Nebelgestalt und wurde zu einem Menschen. Ihre Körper drückten sich aneinander, und lange standen sie so, zusammen und sich fühlend. Langsam ging jetzt die Sonne am Horizont auf, im Osten, da wo in der Nacht noch der Mond wie eine grosse Laterne gehangen hatte. Eva wandte sich um. Endlich sah sie in sein Gesicht. Aber jetzt war es ihr egal, wie er aussah, denn ihre Seelen gehörten zusammen, und ihre Herzen verstanden sich.

Die Familie


Die Familie sass am Tisch und redete über dies und das. Eva sass still daneben und kam eigentlich nicht zu Wort. Sie wollte es wohl auch nicht. Denn es wurde über New York gesprochen. Über die Katastrophe beim World Trade Center. Wild gestikulierte die Mutter. Was die Moslems und überhaupt alle Ausländer für ein Saupack seinen. Der Vater stiess ins gleiche Horn. Auch er fand die Moslems faul, kriegshetzerisch und geldgierig. Wollten immer als Asylanten in die Schweiz kommen und hier die hohle Hand machen.

Eva hatte genug von dem Stuss. Man konnte doch nicht alle Menschen in den gleichen Topf werfen. Und wenn ein Volk halt auch seit Jahrhunderten nichts als den Islam kannte und ihn zu seinen Zwecken ausgelegt hatte, so war das zwar mühsam, aber eventuell würden diese Menschen in den nächsten Jahrhunderten doch mal eine andere Anschauungsweise kennenlernen, oder zivilisierter werden. Wir hatten in Europa ja auch eine Zeit der Glaubenskriege, der Inquisition. Jetzt sind halt die Moslems dran. Und später wird eine andere Religion oder ein anderes Volk so weit sein… Sicher ist es unangenehm, dass so viele Leute sterben mussten – aber wie viele Hexen haben wir damals verbrannt?

Eva träumte vor sich hin. Peter war ein Freund der Familie und kannte Eva bis jetzt noch nicht. Da sie nichts sagte, beachtete er sie nicht weiter.

Das Gespräch kam auf andere Dinge, und plötzlich standen alle auf und gingen in die hintere Stube, um einen Gegenstand näher zu betrachten, von dem eben die Rede gewesen war.

Peter und Eva blieben alleine zurück. Peter wusste nicht, was er zu Eva sagen wollte, und fragte sie deshalb nach ihrem Wohnort. Eva sagte nur, dass sie in Heimhausen wohnte. Da erinnerte sich Peter, dass in Heimhausen ein Dichter wohnte, den er sehr für seinen schwarzen Humor schätzt. Im Internet hatte er dessen Geschichten gelesen und war jetzt wild entschlossen, den Autor mal persönlich kennenzulernen. Davon erzählte er Eva des langem und breiten und fragte sie, ob sie denn den Autor kenne. Eva hatte bei dem ganzen Monolog nur leise gelächelt und geschwiegen… Kaum mal eine Frage eingeworfen.

Da kam die Familie wieder zurück, und die Schwester von Eva hörte den letzten Satz und fuhr Eva an: Red doch nicht immer vom Computer und dem blöden Internet – wir haben die Nase voll davon und jetzt musst du sicher nicht unseren Besuch auch noch damit belästigen!

Eva wollte etwas sagen, aber Peter winkte ab und meinte, dass sie jetzt doch besser über etwas anderes sprächen.

Kurz darauf verabschiedete sich Eva und fuhr nach Hause.

Später erinnerte sich Peter an den Satz der Schwester und sprach sie darauf an: Was denn Eva mit Computern zu tun habe? Die Schwester sagte, dass die Eva auf dem Internet eine Website hätte und ihnen immer den Kopf voll schwatze damit. Letzthin hätte sie sogar begonnen, Geschichten mit schwarzem Humor zu schreiben. Peter starrte die Schwester an und langsam dämmerte es ihm ……