{"id":15198,"date":"2026-05-11T13:16:26","date_gmt":"2026-05-11T13:16:26","guid":{"rendered":"https:\/\/ramblingrose.ch\/?p=15198"},"modified":"2026-05-11T13:23:13","modified_gmt":"2026-05-11T13:23:13","slug":"das-schiff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ramblingrose.ch\/?p=15198","title":{"rendered":"Das Schiff"},"content":{"rendered":"\n<p>Neu: Geschichten der Nacht<\/p>\n\n\n\n<p>Vor vielen Jahren, in einem anderen Leben, habe ich einige Geschichten geschrieben&#8230;. die m\u00f6chte ich euch nun nicht vorenthalten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/ramblingrose.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG-20210815-WA0015-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15199\" srcset=\"https:\/\/ramblingrose.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG-20210815-WA0015-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/ramblingrose.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG-20210815-WA0015-300x225.jpg 300w, https:\/\/ramblingrose.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG-20210815-WA0015-768x576.jpg 768w, https:\/\/ramblingrose.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG-20210815-WA0015-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/ramblingrose.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG-20210815-WA0015-624x468.jpg 624w, https:\/\/ramblingrose.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG-20210815-WA0015.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Das alte Schiff lag im Hafen. Wunderbar renoviert. Die Meyers hatten ihr Leben drangegeben, es wieder so wundersch\u00f6n hinzukriegen, wie es in jungen Jahren einmal gewesen war. Der Lack gl\u00e4nzte, das Mahagoni leuchtete dunkel, die Segel glitzerten weiss in der fr\u00fchen Morgensonne.<br>Eva und Peter stiegen ehrf\u00fcrchtig an Bord, des Lobes voll. &#8222;Ganz wunderbar habt ihr das gemacht!&#8220;<br>Die Meyers l\u00e4chelten s\u00e4uerlich. Seit 30 Jahren widmeten sie alle ihre Ferien diesem Schiff. Nie waren sie in den Bergen gewesen, nie auf St\u00e4dteflug. Aber das Schiff gl\u00e4nzte und funkelte &#8211; d\u00fcster, geheimnisvoll, man k\u00f6nnte fast sagen l\u00fcstern.<br>Eva bewunderte die Innenr\u00e4ume, w\u00e4hrend Peter sich die nautischen Instrumente ansah.<br>Die Meyers setzten Segel, und langsam nahm das Schiff Fahrt auf. Sie verliessen den sicheren Hafen, dann die ruhige K\u00fcste und waren bald auf dem offenen Meer. Die Wellen gingen hoch, denn es wehte ein steifer Wind. Eva und Peter bekamen glasige Augen und n\u00e4herten sich schnellstens der Reling. Dass sie nach zwei Minuten schon die Fische f\u00fctterten, muss nicht speziell erw\u00e4hnt werden. Die Meyers l\u00e4chelten h\u00e4misch und gaben den guten Rat, doch den Horizont anzusehen, das beruhige. Doch Eva und Peter kotzten weiter. Das Schiff wurde verschmutzt, doch der Dreck von der Gischt gleich wieder weggewaschen. Das dunkle Mahagoni l\u00e4chelte d\u00fcster.<br>Weiter und weiter fuhr das Schiff ins offene Meer hinaus. Die Meyers hassten das Schiff, und das Schiff hasste die Meyers. Heute besonders. Denn die Meyers hatten es zugelassen, ja sogar herausgefordert, dass Eva und Peter das Schiff vollkotzten. Das w\u00fcrde das Schiff den Meyers nie verzeihen. Der Wind wurde immer st\u00e4rker, der Lack gl\u00e4nzte immer dunkler und die Meyers begann ein unheimliches Gef\u00fchl zu peinigen.<br>Frau Meyer stand am Bug, die Nase im Wind, und sog begehrlich die frische Luft in die Nase. Als sie nach langer Zeit immer noch dort stand, wurde Eva unruhig, und sie schickte Peter nach vorne, um nachzuschauen. Frau Meyer stand unbeweglich, wie eine Galionsfigur. Galionsfigur? Hm&#8230;. Peter h\u00fcstelte&#8230; stiess sie mit dem Finger an. Sie war hart, h\u00f6lzern, lackiert. Der Schmuck gl\u00e4nzte golden, und ein seltsames L\u00e4cheln lag auf den Lippen der Figur. Erleichterung oder Resignation?<br>Peter schrie auf und Eva kam herbeigelaufen. Entsetzt starrte sie auf Frau Meyer. Peter stieg nach unten, um Herrn Meyer zu suchen, der das Steuer fixiert hatte und im Motorenraum noch etwas flicken wollte. Peter sah gerade noch, wie der Motor, gross und schwarz, eine Klappe aufmachte und Herr Meyer hineinstieg. Die Klappe schloss sich mit einem unangenehmen Geknirsch. Dann erdr\u00f6hnte der Motor und lief mit einem satten Ger\u00e4usch an. Peter floh.<br>Auf Deck stand Eva an den Mast geklammert und weinte. Peter umarmte sie. Die Sonne schien heiss und brennend. Eigentlich immer heisser. Das war ihnen noch gar nicht aufgefallen, denn eine Eisesk\u00e4lte hatte sich um ihre Herzen gelegt. Am Horizont tauchte eine Insel auf. Man sah bald die B\u00e4ume \u00fcber der Insel stehen. Die B\u00e4ume waren rund, wie Eichen- oder sonstige Laubb\u00e4ume. Farbig waren sie, aber seltsame Farben. Hellbau, zartgelb und orange schimmerten sie. Das Schiff glitt schnell n\u00e4her und lief sanft im K\u00fcstensand auf. Eva und Peter liessen den Mast los und kletterten erleichtert vom Schiff hinunter und wateten durch das Wasser auf die wunderbaren B\u00e4ume zu. Keinen Blick wandten sie zur\u00fcck zu dem Schiff. Unter den B\u00e4umen angekommen, atmeten sie erleichtert auf, und gingen Hand in Hand durch die in allen Edelsteinfarben glitzernden B\u00e4ume. In der Mitte der Insel trafen sie auf etwas Unerwartetes. Ein Schild. Ein Schild zu einer Untergrundbahn!<br>Dahinter war eine Treppe nach unten zu sehen. Schnell stiegen sie die Stufen hinunter. Mit jedem Schritt f\u00fchlten sie sich wohler. Nach 100 Stufen betraten sie den Tunnel mit dem Bahnsteig. Schon h\u00f6rten sie das Rumpeln des herannahenden Zuges. Er war voller Leute. Sie stiegen ein und fanden in der Ecke noch zwei freie Sitzpl\u00e4tze. Dort setzten sie sich hin und fuhren mit bis zur Endstation. Dort stiegen sie aus.<br>Sie waren direkt am Hafen. Vorsichtig warfen sie einen Blick zum Ankerplatz des Schiffes.<br>War er leer???<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neu: Geschichten der Nacht Vor vielen Jahren, in einem anderen Leben, habe ich einige Geschichten geschrieben&#8230;. die m\u00f6chte ich euch nun nicht vorenthalten. Das alte Schiff lag im Hafen. Wunderbar renoviert. Die Meyers hatten ihr Leben drangegeben, es wieder so wundersch\u00f6n hinzukriegen, wie es in jungen Jahren einmal gewesen war. 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