Zu zweit im Blechzelt im Zürcher Oberland unterwegs

Am Donnerstag fuhren wir nun endlich mal zusammen los. Mein Mann und ich. Er durfte die Route auswählen und wählte das Zürcher Oberland aus. Das Wetter hatte von tiefem Winter auf Hochsommer gewechselt. Schlagartig!!

Unser Ziel vom ersten Tag war die Tüfels Chilen (Teufelskirche) bei Oberlangenhard/Kollbrunn. Da ich in Italien diverse Tuffstein-Wasserfälle gesehen hatte war das natürlich doppelt interessant für mich. An der Tüfels Chile wurde früher Tuff mit einer Säge abgebaut und die Steinklötze zum Bau der Kirche in Winterthur und natürlich zu den meisten Scheunen und Gebäuden im Dorf verwendet. Ein Dorfbewohner meinte allerdings, sie hätten die Steine wieder entfernt, denn sie hätten Wasser gezogen und somit wäre seine Scheune immer feucht gewesen. Aber vom Abbau der Steine sind dann eben die typischen Stufen entstanden. Oben fliesst das Wasser über einen „Schnabel“ auf den Wasserfall. Dieser Schnabel bildet den „Kirchenraum“ und das Wasser fliesst in gefürchtig aussehenden Zähnen über die Kante.
Es war im Wald angenehm kühl. Die heisse Wanderung über die Wiesen zum Wald hatte und sehr zugesetzt. Wir waren die Hitze gar nicht gewohnt.

Unterwegs hatten wir nach einem schönen Schlafplatz Ausschau gehalten und auch gefunden in einem kleinen Waldweg mit Holzerplatz. Dort liessen wir uns gegen Abend nieder und machten ein kleines Feuer. Das Holz war noch nass, aber es ging. In der Schweiz gilt eine Art Jedermannsrecht. Was heisst, man darf sein Zelt am Abend aufschlagen und muss am Morgen wieder weiterziehen, so man nicht auf privatem oder verbotenem Grund ist. Selbstverständlich soll man keinen Müll oder sonstigen Dreck hinterlassen.
Unser Waldstück war recht nah an der Strasse und wir hörten die Autos vorbeibrausen, aber sonst war es friedlich und kein Mensch kam vorbei. Aber uns war es trotzdem zu laut und so fuhren wir mitten in der Nacht noch weiter an einen Wiesen-Waldrand. Vor einigen weissen Heuballen fanden wir einen ruhigen und geschützten Schlafplatz. Allerdings war es so heiss, dass wir kaum Schlaf fanden. Ich hatte hinten und auf der Seite Mückennetze und so liessen wir die Schiebetüre die ganze Nacht auf.

Am nächsten Tag fuhren wir leicht erhitzt an den Bichelsee und machten, was ich nicht wirklich gerne tue, einen „Schwimmbad“-Tag. Das Baden im See war aber noch recht kühl und tat uns wirklich gut. Allerdings haben wir natürlich einen leichten Sonnenbrand eingefangen, trotz Vorsicht. Am Abend haben wir in einem umliegenden Wald einen längeren Spaziergang gemacht. Wasser gab es in jedem Dorf am Dorfbrunnen, dort auch etwas Abkühlung.

Uns zog es jetzt in die Höhe und wir fuhren nach Sternenberg. Dort gab es grosse Parkplätze mit offiziell 24 Stunden Aufenthalt. Allerdings waren wir die Einzigen. So getrauten wir uns das Vordach auszufahren als endlich nach langem Donnern der Regen kam. Wieder liessen wir die Türe offen und endlich fiel das Thermometer gegen Morgen auf 20°. Am Samstagmorgen wanderten wir auf der Teerstrasse (was gut war wegen der Nässe) nach Allerwinden. Unterwegs bewunderten wir die Türkenbund-Lilien und andere Naturschönheiten.

Anschliessend gings weiter nach Wattwil-Heiterswil. Dort hatte die Familie meines Mannes einmal ein klitzekleines Ferienhaus. Nicht wirklich grösser als meine Rosinante. Aber daran vorbei floss ein Bach und das machten den beiden Buben natürlich Spass. Wir wollten im Restaurant Anker einen Schlorzifladen essen, aber man hatte wegen schlechten Wetter keinen gebacken. Eine Holunderzone mit Vanilleglace entschädigte uns für die Enttäuschung. Auf der Weiterfahrt stach mir eine Burg ins Auge. Auch ein Kloster. Das Kloster ist jetzt privat, jedoch die Burg war öffentlich. Es handelt sich um die Iburg (Yburg). Trotz wieder drohendem Regen wanderten wir zur Bug hoch. Die Burg war geöffnet (gratis) und ich durfte wieder einmal Treppen steigen. Aber die Aussicht war grandios. Allerdings wurden wir auf dem Rückweg wieder verregnet. Inzwischen war wieder Abend und wir beschlossen die nächsten Nacht zuhause zu verbringen. Die nächste Tour sollte dann am Sonntag nach Rotenthurm gehen. Diese Nacht war es genau so warm wie in der Rosinante. Wir müssen uns erst wieder an Sommerwetter gewöhnen.

Essen:
Wir haben unterwegs jeweils Wasser vom Dorfbrunnen geholt, in örtlichen Geschäften das Nötige eingekauft und in Gartenrestaurants einen Salatteller gegessen. An einem Abend haben wir einen Servelat (Wurst) gebraten und einen Fertigsalat mit Fertigsalatsauce dazu gegessen und zum Dessert etwas Obst. Ansonsten gab es Brot mit Schinken/Salami oder Haferflocken mit Milch. Haferflocken haben den Vorteil, dass sie sättigen, aber nicht eintrocknen wie Brot, dass man sie kalt oder gekocht essen kann, dass man Müesli damit machen kann oder Suppe. Man kann also am Wegrand pflücken was man findet und eine Mahlzeit daraus machen. Ich koche jeweils Wasser auf meiner Gasflamme und mache im Thermosbecher Kafi und Tee.

2 Gedanken zu „Zu zweit im Blechzelt im Zürcher Oberland unterwegs

  1. Denise Rüeger

    Die Schweiz ist echt schön, wenn ich deine Bilder sehe.
    Deine Berichte sind sehr spannend geschrieben. Einige Orte kenne ic,h andere sind mir unbekannt. Vor allem gibt es viel zu sehen rundum.
    Ja der Sihlsee: Wir wollten letzthin um den Sihlsee wandern und fuhren einfach los Richtung Einsiedeln und mit dem Postauto weiter. Leider gibt es um den Sihlsee keinen Wanderweg. Wir durften der Strasse entlang gehen. Hatten nach kurzer Zeit genug. Ein Postautofahrer zeigte Erbarmen und hielt an. Er nahm uns mit. Wir fragten ihn nach dem Weg um den Sihlsee, da erklärte er uns, dass dies schon lange geplant sei, sich aber die Eigentümer der Bodenparzellen, die an den See stossen, nicht einig seien ein Stück Land ab zu treten. Die Erben reden da auch schon mit und da werde die Sachlage kompliziert. Na ja.

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    1. admin Artikelautor

      Danke
      Ja, das beantwortet meine Frage. Da ist man schon zu spät mit dem Wanderweg.. das wird nichts mehr werden heutzutage.
      Die nächsten Tage werden wieder schön sein und ich denke, ihr werdet Mitte der Woche wieder einen tollen Bericht bekommen – es geht auf in die Westschweiz!

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