Mexikanische Nächte und Weihnachten in Honduras 1978

Im Nachtbus fuhr ich dann nach Mexiko-City. Ich habe also gar nichts von Nord-Mexiko gesehen. Ich habe auch nie etwas aus dem Norden gegessen.

In Mexiko-City angekommen musste ich noch 2 Tage auf meine Freundin warten. Das Treffen gelang dann problemlos. Wie immer wurden wir auch von vielen einheimischen Gigolos belagert, die uns „die Gegend zeigen wollten“.  Einmal machten wir das mit. Das war sehr stressig. Denn die Herren hatten immer Probleme. Einmal brauchte das Auto was zu trinken, dann die Herren. Bier, oder was Stärkeres. Immer brauchten sie was. Am Abend versuchten sie uns mit Tequilla und anderem abzufüllen. Darauf hin beschlossen wir diese „grosszügigen“ Angebote von da an ausser Acht zu lassen und auf eigene Faust zu reisen. Es kam uns billiger.

Mexiko ist eigentlich mein absolutes Lieblingsreiseland. Viele Pyramiden und Museen. Viele wunderschöne Strände und viele Märkte. Dann viele Zenotes (Karstseen) und eine wunderschöne Landschaft und sehr nette Menschen. Dann leckeres Essen und alles in relativ kurzer Distanz. Wir sind 2 Monate geblieben.

Einmal hatten wir eine Woche am Strand des Pazifik verbracht. Die Einheimischen hatten uns erzählt, dass in der Nacht die Schildkröten ihre Eier ablegen. In der Dorfbar sah man auch auf der Theke kleine Schalen mit Eiern liegen. Wir liessen uns also am Abend von 2 jungen Herren den Ort zeigen wo die Schildkröten jeweils zu sehen seien. Der Strand war wunderschön weiss und das Meer glitzerte blau schimmernd von Meeresleuchten (kleine fluoreszierende Wesen im Wasser). Leider kamen keine Schildkröten. Und wir mussten uns mal wieder die Herren vom Leibe halten. An nächsten Tag zeigten sie uns wie man in einer Lagune Garnelen fischte. Dazu standen sie hüfttief ins Wasser. Sie warfen ein rundes Netz aus, welches in der Mitte eine Schnur hatte. Dann zogen sie es an der Schnur wieder hoch. Die Garnelen steckten sie sich einfach in die Hosentaschen ihrer Shorts. brrrr

Das „Hotel“ war ein einfaches Gebäude, bestehend aus 3-4 Zimmern, vor jedem war eine Hängematte. Darum eine Hofmauer. Ich freue mich schon die Nacht in der Hängematte zu verbringen. Leider machte uns der Besitzer einen Strich durch die Rechnung. Er legte sich jeweils in die Hängematte vor unserem Zimmer und bewachte unsere Unschuld lol

Ich muss dazu sagen, es waren die wilden 70-er Jahre, es gab Pille, aber noch kein Aids und wir waren keine leichten Mädels, aber auch keine Unschuldslämmer. Aber wir hatten keine Absicht uns mit irgendwelchen Herren unterwegs einzulassen.

In einer Ruine hörten wir einmal einen Touristen englisch sprechen. Wir wussten sofort, dass das ein Schweizer war. Am Abend, am Zocalo (Dorfplatz) im vollbesetzten Restaurant, sahen wir den Mann wieder und wie er einen Sitzplatz suchte. Wir boten ihm auf Schweizerdeutsch einen Platz an unserem Tisch an. Er machte grosse Augen. Woher wir ihn kennen würden?  Wir grinsten uns eins ab und haben uns dann noch die halbe Nacht mit ihm unterhalten. Er hat uns einige Souvenirs in die Schweiz zurückgenommen. Meine Freundin hat ihn nach unserer Rückkehr besucht und die Souvenirs abgeholt. Ich muss gestehen, dass sie ihn dann geheiratet hat und die Ehe ca. 20 Jahre lang hielt und es 2 Kinder gab. Aber damals hatten wir keine Vorahnung, ausser dass der Herr sich sehr für meine Freundin interessierte.

Leider hat uns auch damals schon das Problem mit den Drogen berührt.

Wir haben in Tulum den damaligen Polizeichef von Quintana Rho kennengelernt, der sich in meine Freundin verguckt hat. Wir hatten uns in einer Hütte einlogiert, die aus fingerdicken Aesten bestand in der 2 Hängematten aufgehängt waren. Das Wasser kam aus einem Wasserloch und war braun. Ein Bad oder Toilette gab es nicht.

Dieser nette Herr lud uns in sein „Hotel“ am Strand ein. Das waren dann geweisste Hütten (Meine Freundin ging jeweils als erste in diese Hütte und trat mit dem Stiefel die Kakerlaken tot oder wischte sie mit dem Besen hinaus. Ich war da nicht geeignet dazu.) mit Dusche und WC und einem offenen Restaurant, wo es jedoch nur etwas zu essen gab, wenn er anwesend war. Dann allerdings wurden uns frisch gefangene Langustenschwänze frisch vom Holzkohlenfeuer serviert! Sowas von lecker. Seither bin ich für Seefood verloren. Was soll ich in der Schweiz Aufgetautes aus der Bratpfanne essen, wenn ich am Strand von Mexiko sowas essen durfte?

Dann wollte er uns zu einem Rundflug mit seinem Flugzeug einladen. Leider musste er einige Tage weg, bat uns aber auf ihn zu warten, damit wir mit ihm fliegen konnten. In der Zwischenzeit hatten wir dann einige Amerikaner kennengelernt, die uns einige Schauergeschichten über diesen Polizeichef und sein Flugzeug und seine Machenschaften und andere hübsche Touristinnen erzählten. Und so fand man uns eines schönen Tages frühmorgens im nächsten Bus nach Guatemala. Uns war der Boden zu heiss geworden und wir traten klammheimlich die Flucht an.

Erzählen möchte ich euch noch von der Strasse in Tulum. Wir sind immer diese Strasse entlang gegangen. Klar, etwas anderes gab es nicht, auf der Landseite war der bare Urwald. Und eines Tages lief ca. 10-20m vor uns ein schwarzer Puma über diese Strasse. Er hat uns nicht mal angeguckt.

Wenn wir was essen wollten mussten wir bis zu den Ruinen von Tulum laufen (1-2 km?). Da gab es einen Touristenstand. Da konnten wir Wasser, Cola und trockene Kekse erstehen. Mehr gab es schlicht nicht. Ausser hie und wieder einige gebratene Eier in unserem „Restaurant“.

Anschliessend sind wir Richtung Guatemala gefahren, von dem ich wenig Erinnerungen habe.

Eine Erinnerung ist an ein „Hotel“ dort welches aus einer Reihe von Zimmern bestand. Die hatten keine Fenster. Um Licht zu machen musste man die Birne an der Hängelampe (ohne Schirm) rein- oder rausdrehen. Vor den Zimmern war ein Platz. Auf diesem Platz wurden Kaffeebohnen getrocknet. Immermal wieder wurden diese Bohnen gewendet. Hinter dem Platz waren weitere Hütten, darin waren 2 WC’s. Ueber dem WC war ein Duschkopf angebracht, das Wasser war nur kalt. Man konnte also auf dem WC sitzend gleich duschen. Ich meine, der Hotelpreis lag bei 1-2 Fr. die Uebernachtung. Uns reichte ein günstiges Hotel, aber dafür assen wir lieber lecker. Wobei auch das Essen meist eher bescheiden war. In Guatemala konnten wir uns oft nur vor unser Hotelzimmer setzen und fahrende Händler kamen vorbei und verkauften uns gebratene Bananen, Obst oder Kuchen.
Das Höchste an Luxus sind genügend Nägel an den Wänden um die Kleider aufzuhängen!

Dann nach El Salvador. In El Salvador gibt es den Vulkan Boquerón gleich bei der Hauptstadt San Salvador. Wir kamen irgendwann auf die Idee auf diesen Vulkan zu fahren. Haben also jemanden (Taxi? oder Schuttle-Taxi) gefunden der uns nach oben auf den Rand des Kraters fuhr. Wir wollten um den Rand herumlaufen und dann wieder runterfahren. Aber der Driver sagte, dass das nicht möglich sei. Wir müssten mit ihm wieder runter.  Und so sind wir schweren Herzens wieder runter. Der Krater ist wirklich imponierend und ich rate euch an, plant diese Tour besser.

https://www.google.ch/search?q=san+salvador+Boquer%C3%B3n&newwindow=1&biw=1855&bih=881&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ved=0ahUKEwiF9qG8xLrJAhXja3IKHVjUDUsQsAQIJg#imgrc=7oKPvLtsRnCdIM%3A

Dann ging es weiter nach Honduras wo wir uns wieder etwas erholten und Weihnachten feierten.

Und ab jetzt kann ich euch erstmals hie und wieder ein Foto zeigen. Meine Fotos bis Mexiko-City gingen auf dem Heimflug verloren (jemand wollte sie in die Schweiz mitnehmen). Die Fotos von Mexiko bis Mittelamerika wurden uns gestohlen. Warum das so ist werdet ihr in Peru erfahren.

Weihnacht in Tela, Honduras

Weihnacht in Tela, Honduras

Weihnachten feierten wir in Honduras, in Tela. Es war warm, die Kerze ist schon schief. Wir kauften Wein und trockene Kekse. Wie ihr seht war eine Bretterbude ohne Fenster mit 2 einfachen Betten unser luxuriöses Hotel. Aber wir dachten uns nichts dabei. Es waren wenigstens keine Kakerlaken am Boden. Draussen feierten die Hondurianer mit Knallfröschen und Riesenlärm. Am Tag waren wir am Traumstrand schwimmen. Wir konnten während dieser Reise unsere Fingernägel endlich mal pflegen. Sonst mussten wir sie ja berufsbedingt immer kurz und unlackiert halten.

Hier der Originaltext von meiner Freundin zu diesem Tag:

Wir haben gut geschlafen, trotz der Krachraketen, die sie in  aller früh los liessen. Wir glauben, heute wird es noch schlimmer. Nach einem ausgiebigen Frühstück schlenderten wir dem Strand entlang. Ich war noch nie in Afrika, doch glaube ich, dies Tela ist typisch afrikanisch. Mir gefällt es sehr. Ich geniesse es hier am Strand zu sitzen. Vor mir das Rauschen des Meeres, dann der Strand und hinter mir Kokospalmen die Schatten spenden. Nach einem Bad, Jackie stand wie eine Säule im Wasser,  (war irgend so eine Running Gag von uns) trieb uns der Durst in ein Restaurant. Meer, Sand, Palmen und ein eisgekühltes Coca Cola! Was wollen wir mehr! Jackie lächelt und ich sehe es ihr an, dass auch sie zufrieden ist. Hier gefällt es mir. Wo gefällt es mir schon nicht? Die Menschen sind freundlich, vorausgesetzt wir lächeln 24 Stunden am Tag. Wie ermüdend!
Heute wollten wir uns ein Essen leisten mit allem Drum und Dran. Doch schon beim Aperitiv bekamen wir Schwierigkeiten. Ein Mädchen trinkt in der Oeffentlichkeit halt keinen Alkohol. Was zu Hause, in der Bude, gesoffen wird, darüber spricht man nicht. Sie gingen wir denn gleich zum Hauptgericht über. Ein Mann, der in einem weissen Babyanzug steckte, meinte er könne sich alles erlauben. Er stetze sich einfach zu uns an den Tisch. Er war wie ein schwer beladener Weihnachtsbaum, sämtlichen Kitsch hatte er sich umgehängt. Der Armreif war reich verziert mit Menschenzähnen. Ein Israeli, der ebenfalls an unserem Tisch sass, litt heute an Depressionen. Er erzählte uns von seiner Familie, die vor 2 Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sei. Er fühlte sich allein und von aller Welt verlassen. Im Bier suchte er Halt, was natürlich nicht von Dauer sein kann. Der Playboy wurde unausstehlich. Wir verabschiedeten uns von ihnen und machten uns auf den Weg ins Hotel.
Im Zimmer machten wir es uns bequem. Wir knabberten an Bisquits und spülten mit Wein nach. Kerzenlicht erhellte den Raum. Wir plauderten über die Jugend und machen uns über die Zukunft keine Gedanken. In dem Haus nebenan sangen sie Weihnachtslieder. Wir lauschten diesen Klängen und träumten ein wenig. Die Krachraketen, die anscheinend zu diesem Fest gehören, knallten ununterbrochen. So gegen 1 Uhr war draussen ein fürchterlicher Spektakel. Wir tranken ein Coca Cola. Ich glaub, ich hab ein ganzes Paket Bisquits allein gegessen. Die Bar, unter uns, machte Freinacht. Wir konnten kaum schlafen. Morgen um 9 Uhr krachten die letzten Raketen.

(Bez. Zukunft: D. und ich treffen uns auch heute noch fast jedes Jahr und wir machen eine kleine Wanderung und essen anschliessend was Leckeres. Es kann sogar sein, dass sie mit mir einige Tage in der Rosinante mitfahren wird und ihr sie persönlich kennenlernen werdet!)

 

 

 

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